Sexueller Missbrauch durch Lehrer: BLLV fordert Überprüfung auf Pädophilie
München (ddp-bay). Nach dem sexuellen Missbrauch von fünf Mädchen
durch einen Grundschullehrer fordert der Bayerische Lehrer- und
Lehrerinnenverband (BLLV) mehr Vorsichtsmaßnahmen bei der Auswahl von
Lehrern. Bislang sei während der Ausbildung «nichts Konkretes
vorgesehen, um Pädophile herauszufiltern», sagte BLLV-Präsident Klaus
Wenzel am Mittwoch in München.
Er appellierte an das Kultusministerium, «sich zu überlegen, was
man tun kann, um so etwas wie beim aktuellen Fall zu verhindern». Vor
der Einstellung als Lehrer gebe es bereits verpflichtend eine
Untersuchung beim Amtsarzt. Womöglich könne dabei in Zukunft auch ein
«besonderes Augenmerk» auf solche Neigungen gelegt werden.
Kinder müssen Vertrauten über Vorfälle berichten können
Die Vorsitzende des Bayerischen Elternverbands, Heike Hein, sagte,
sie hielte dies «für durchaus sinnvoll». Den Kindern müsse zudem
immer wieder in Erinnerung gerufen werden, dass sie sich, «wenn ihnen
etwas komisch vorkommt», an ihre Eltern oder an Vertrauenslehrer
wenden sollen.
Hein hielte es zudem für sinnvoll, Ansprechpartner außerhalb des
Elternhauses und der Schule zu schaffen, wo sich Schüler im
Verdachtsfall anonym beraten lassen können. Der aktuelle Fall eines
Missbrauchs im Zeltlager eines Sportvereins durch einen Lehrer zeige,
dass nur ein Vater tatsächlich Anzeige erstattet habe.
Kultusministerium hält Schutzmechanismen für ausreichend
Das bayerische Kultusministerium verwies darauf, dass es «zum
Wohle und Schutz der Kinder» vor Einstellung einer Lehrkraft bereits
objektive Schutzmechanismen gebe. So müsse von den Bewerbern ein
polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt werden. Nach der Aufnahme des
Dienstes als Lehrkraft gebe es Informationen der zuständigen
Staatsanwaltschaft an das Ministerium über anhängende und
abgeschlossene Strafverfahren.
Außerdem werde Elternbeschwerden «konsequent nachgegangen»,
versicherte eine Ministeriumssprecherin. Den Schülern stünden
Vertrauenslehrer und Schulpsychologen zur Seite. Und auch der
Dienstvorgesetzte der Lehrer gehe verdächtigten Beobachtungen nach.
Pädophile nur schwer zu erkennen
Nach Ansicht von BLLV-Präsident Wenzel liegt der Verdacht nahe,
dass Menschen mit pädophilen Neigungen sich Berufe aussuchen, in
denen sie viel mit Kindern zu tun haben: «Diese Idee drängt sich
schon auf, aber ich weiß nicht, ob die überhaupt in so logischen
Zusammenhängen denken.» Allerdings sei er selbst 23 Jahre in der
Lehrerbildung tätig gewesen und habe nicht ein einziges Mal den
Verdacht gehabt, «dass einer der Kollegen Kinder mehr mag, als es von
einem guten Lehrer zu erwarten ist».
Der 49-jährige Lehrer Roland Sch. aus Ingolstadt hat eingeräumt,
sich beim Zeltlager eines Handballvereins in der vergangenen Woche an
fünf Mädchen im Alter zwischen acht und elf Jahren vergangen zu
haben. Er sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft.
18 Jahre lang Kinder missbraucht
Unterdessen wurde am Mittwoch bekannt, dass sich ein anderer
Lehrer ab nächster Woche wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und
Jugendlichen in fast 300 Fällen in München vor Gericht verantworten
muss. Er soll sich zwischen 1990 und 2008 als Sporttrainer für
Leichtathletik an Schülern vergangen haben. Der Mann hat bei seinen
polizeilichen Vernehmungen ein Teilgeständnis abgelegt.
Quelle:
http://www.e110.de/index.cfm?event=page ... 1&id=44692