Acht Jahre Haft für Spitzentrainer wegen Missbrauchs junger Sportler
Drucken München (AP) Ein früherer Leichtathletik-Spitzentrainer muss wegen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen in rund 300 Fällen für unbestimmte Zeit hinter Gitter. Das Landgericht München verurteilte den 49-jährigen Ewald K. am Mittwoch zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren und ordnete wegen Rückfallgefahr zudem Sicherungsverwahrung an. Damit kann der Mann nur mit dem positiven Urteil eines Gutachters wieder auf freien Fuß kommen. Diesen Artikel weiter lesen
In 15 Fällen sah das Gericht dabei vorsätzliche Körperverletzung als erwiesen. Der ehemalige Bundestrainer hatte gestanden, sich von 1990 bis 2008 hundertfach an acht Sportschülern vergangen zu haben. Seine Opfer waren zwischen 8 und 17 Jahre alt.
«Die Therapiebereitschaft und das vollumfängliche Geständnis sind die zwei Säulen», hielt Richterin Petra Beckers dem Mann zugute. Wenn er erfolgreich eine Therapie mache, habe er eine reelle Chance wieder freizukommen. Derzeit bestehe aber eine erhebliche Rückfallgefahr. Die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung seien «klar gegeben», sagte die Richterin und folgte damit der Forderung der Staatsanwaltschaft.
Ein Sachverständiger diagnostizierte bei Ewald K. pädophile Neigungen, sieht ihn aber als schuldfähig. Über Jahre hinweg habe der Trainer Jungen missbraucht, obwohl er mehrfach beinahe entdeckt worden wäre, sagte die Richterin. Auch habe Ewald K. selbst von einem «Drang» gesprochen. Ohne eine Therapie sei eine Rückfallgefahr nicht auszuschließen. Einen möglichen Therapieausgang könne man aber nicht berücksichtigen.
«Ich bereue sehr, was passiert ist»
Er habe ein Kind zum Anal- und Oralverkehr gezwungen, hielt die Richterin dem Mann als besonders schwerwiegend vor. Bei seinen Übergriffen hätten die Opfer auch Schmerzen erlitten. Entlastend sei, dass er mit seinem Geständnis den Opfern die Aussage vor Gericht erspart hatte.
«Ich bereue sehr, was passiert ist. Wenn ich es rückgängig machen könnte, würde ich es rückgängig machen», sagte Ewald K. in seinem Schlusswort. Mit Blick auf das Geständnis hatten sich die Prozessbeteiligten in einer Absprache auf das Strafmaß von nicht mehr als acht Jahren Gefängnis geeinigt. Das Gesetz sieht bis zu 15 Jahre vor.
Der Mann hatte die Jungen teils mit Drohungen und Geschenken zum Schweigen gebracht Der Missbrauch flog auf, als eines seiner Opfer Jahre später zur Polizei ging. K. sitzt seit November 2008 in Untersuchungshaft. Seit 2001 war er hauptberuflich Bundestrainer des Deutschen Leichtathletikverbandes. Sein Vertrag war vor einigen Wochen gekündigt worden.
Hundertfacher Missbrauch auch in Passau
In Passau ist unterdessen ein weiterer Fall bekanntgeworden, in dem ein Sporttrainer den hundertfachen Missbrauch von Kindern gestanden hat. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 38-jährigen ehemaligen Judotrainer und Vereinsvorstand vor, seit 1994 in 224 Fällen Kinder zwischen 9 und 15 Jahren missbraucht zu haben. Anklage sei erhoben, der Mann sitze in Untersuchungshaft, sagte Oberstaatsanwalt Joachim Peuker.
Insgesamt gebe es weniger als zehn Opfer, mit einer Ausnahme seien sie männlich. Häufig habe der Trainer diese beim Duschen angefasst, unter dem Vorwand, ihnen Hygiene näherbringen zu wollen. Der mutmaßliche Täter habe aber keine Gewalt angewandt, auch zu Vergewaltigungen sei es nicht gekommen. Der Fall sei bereits länger bekannt gewesen, die Zahl der Missbrauchsfälle sei aber erst im Lauf der Ermittlungen auf 224 gestiegen.
Quelle:
http://de.news.yahoo.com/1/20090819/twl ... 73c05.html