Mutmaßlicher Kinderschänder Oliver Shanti vor Gericht
München (ddp-bay). Im jahrelangen Rechtsstreit um den Esoterik-Musiker Oliver Shanti kommt es ab Mittwoch (26. August, 9.00 Uhr) zum Prozess. Dann muss sich der 61-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Ulrich S. heißt, vor dem Münchner Landgericht wegen sexuellen Missbrauchs mehrerer Kinder in 314 Fällen verantworten. Die Taten, die ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft, liegen teilweise 24 Jahre zurück. Seit 2002 wurde international nach Shanti gefahndet, doch bis 2008 gelang es ihm, unterzutauchen. Erst dann wurde er in Portugal festgenommen und anschließend nach Deutschland ausgeliefert. Diesen Artikel weiter lesen
Shanti war der Anführer einer hierarchischen Sekte, die sich in den 70er Jahren gebildet hatte. Die Mitglieder der Gruppierung bewohnten zeitweise einen Bauernhof im niederbayerischen Viechtach und eine Wohnung in München, bevor Shanti Mitte der 80er Jahre eine Finca in Portugal bezog. Sowohl in München als auch in Portugal hielten sich mehrere Kinder seiner Anhänger auf. Shanti stand in enger Beziehung zu den oft noch Minderjährigen.
Die Ermittler werfen dem gebürtigen Hamburger vor, diese Stellung ausgenutzt zu haben, um sich den Kindern unsittlich zu nähern. Zwischen 1985 und 1998 soll Shanti sechs Kinder sexuell missbraucht haben, darunter vier Jungen und zwei Mädchen. Insgesamt werden ihm 314 Fälle zur Last gelegt. Neben Küssen, unsittlichen Berührungen und Oralverkehr soll es in einem Fall auch zum Geschlechtsverkehr gekommen sein. Das könnte jedoch nur die Spitze des Eisbergs sein: In einem Interview sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler nach der Anklageerhebung im April: «Wir fürchten, dass es noch mehr Opfer gibt, die aber nicht bereit waren, sich zu melden.»
2002 gab ein Opfer den Ermittlern einen Hinweis auf Shantis Machenschaften, so kamen die Fahnder auf die Spur des Esoterik-Musikers. Jahrelang fahndeten sie per Haftbefehl international nach Shanti. Mehrfach gelang es ihm jedoch, sich dem Zugriff zu entziehen. Erst Ende Juni 2008 wurde er von einem Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Lissabon erkannt, als er einen neuen Reisepass beantragen wollte. Offenbar wollte er zur Behandlung seiner Blutkrebserkrankung nach Brasilien reisen. Beim Verlassen des Gebäudes wurde Shanti festgenommen. Die portugiesischen Behörden lieferten ihn rasch nach Deutschland aus. Seit dem 4. Juli 2008 befindet sich Shanti in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim.
Shantis Pflichtverteidiger Thomas Novak und Sebastian Bartels wollten sich auf Anfrage vor Prozessbeginn nicht zu den Vorwürfen äußern. Bartels stellte in Aussicht, dass Shanti während des Prozesses eine Einlassung abgeben werde. Für die Verhandlung sind bis 22. Oktober zunächst zehn Prozesstage angesetzt. Dabei soll nach Vorstellung der Staatsanwaltschaft auch geprüft werden, ob Sicherungsverwahrung anzuordnen ist.
Quelle:
http://de.news.yahoo.com/17/20090824/tw ... 06a42.html